{"id":263,"date":"2024-11-25T19:12:00","date_gmt":"2024-11-25T19:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/en-commun.at\/?p=263"},"modified":"2025-03-09T19:13:34","modified_gmt":"2025-03-09T19:13:34","slug":"oft-versteckt-oft-bedroht-gewalt-an-obdachlosen-und-wohnunglosen-finta-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/en-commun.at\/wp\/oft-versteckt-oft-bedroht-gewalt-an-obdachlosen-und-wohnunglosen-finta-stoppen\/","title":{"rendered":"Oft versteckt. Oft bedroht. Gewalt an obdachlosen und wohnunglosen FI*NTA stoppen!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Redebeitrag am Tag gegen Gewalt an FLINTA*<br><\/strong><s><\/s><\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen heute einen kleinen Einblick in die Wohnungslosenhilfe &amp; die Gewaltschutzzentren Wiens geben. Es ist herausfordernd die vielen Missst\u00e4nde, die durch eine&nbsp;kaputtgesparte Einrichtungslandschaft in&nbsp;einer patriarchalen Gesellschaft entstehen, in nur wenigen Minuten zu beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Patriarchale Gewalt und Wohnungslosigkeit stehen in einem extrem engen Zusammenhang.&nbsp;Einerseits f\u00fchrt patriarchale Gewalt oft zum Verlust des Wohnraums. Auf der anderen Seite sind wohnungs- &amp; obdachlose FI*NTA Personen patriarchaler Gewalt in massivem Ausma\u00df ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00f6chten an dieser Stelle betonen, dass Gewalt und Wohnunglosigkeit keine Charaktereigenschaften bestimmter Personen oder Personengruppen sind. Jede Frau oder queere Person kann in vergeschlechtliche Gewaltverh\u00e4ltnisse und Gewaltbeziehungen geraten, solange das Patriarchat besteht. Jede Person von uns kann in die Wohnungslosigkeit geraten, solange Wohnen kapitalf\u00f6rmig organisiert ist. \u00dcber materielle und andere Ressourcen zu verf\u00fcgen macht es schlicht leichter aus Gewaltbeziehungen auszubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Feministische Bewegungen des letzten Jahrhunderts haben das Recht erk\u00e4mpft, gewaltt\u00e4tige Partner*innen zu verlassen. Diese wichtige Errungenschaft spiegelt sich in Gesetzen wie dem Gewaltschutzgesetz und in Institutionen wie Frauenh\u00e4usern wieder. Dieses Recht Partner*innen zu verlassen und zu Gehen ist aber ein leeres Versprechen, wenn die materiellen Rahmenbedingungen daf\u00fcr fehlen. Denn dann stellt sich die Frage: Wohin gehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das b\u00fcrgerliche Familienbild, demnach die Frau&nbsp; materiell abh\u00e4ngig vom Mann ist, wird immer noch weitgehend propagiert &amp; systematisch gest\u00fctzt. Eine Trennung beinhaltet, neben einer Armutsgef\u00e4hrdung, oft mehrere komplexe rechtliche Fragen wie Scheidungsprozesse, Obsorgeverfahren und prek\u00e4re Aufenthaltsperspektiven. Das sind alles Faktoren die als Konsequenz den Zugang zu leistbarem Wohnraum bspw. in Form von Gemeindewohnungen&nbsp;erschweren oder verhindern. Insbesondere FI*NTA, die nicht \u00fcber famili\u00e4re, soziale oder finanzielle Ressourcen in \u00d6sterreich verf\u00fcgen, stehen bei einer Trennung oft vor dem Nichts, manchmal mit Sorgeverpflichtungen und Verantwortung f\u00fcr mehrere Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Angst davor durch eine Trennung in eine neue, ungewisse Krisensituation geschickt zu werden, erschwert den Bruch mit der Gewaltdynamik &amp; f\u00fchrt auch nicht selten dazu, dass betroffene zum Gef\u00e4hrder zur\u00fcckkehren. Die Frage nach ad\u00e4quatem, sicherem &amp; zug\u00e4nglichem Wohnraum ist also unmittelbar mit der Frage nach Schutz vor Famili\u00e4rer- und Beziehungsgewalt verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Frauenh\u00e4user k\u00f6nnen hier nur vor\u00fcbergehenden Schutz und Unterbringung gew\u00e4hrleisten: sie sind Kriseneinrichtungen &amp; keine langfristigen L\u00f6sungen. Abgesehen davon schlie\u00dfen sie manche Personengruppen aus, wie bspw. suchtmittelkonsumiernde Personen, Personen mit hohem Pflegebedarf oder Personen mit psychiatrischen Erkrankungen, die nicht medikament\u00f6s eingestellt sind. Damit haben obdach- oder wohnungslose FI*NTA Personen de facto keinen Zugang zu Frauenh\u00e4usern!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beobachten au\u00dferdem h\u00e4ufig, dass gewaltbetroffene FI*NTAs z\u00f6gern, ihre Erfahrungen bei der Polizei anzuzeigen, da sie oft nicht ernst genommen werden und ihre Erlebnisse hinterfragt oder normalisiert werden. Hinzu kommt die Angst vor einer T\u00e4ter*innen-Opfer-Umkehr oder davor, selbst kriminalisiert zu werden. Viele Aspekte der Lebensrealit\u00e4t von obdach- und wohnungslosen Personen \u2013 wie das Verweilen an bestimmten Orten, Suchterkrankungen oder Sexarbeit \u2013 unterliegen einer rechtlichen Stigmatisierung. Besonders die Kriminalisierung der Sexarbeit und die damit einhergehende Verdr\u00e4ngung in Randgebiete erh\u00f6ht das Gewaltrisiko extrem.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber selbst wenn Personen Zugang zum Frauenhaus bekommen, stellt sich nach der Unterbringung die Frage nach dem &#8220;wohin?&#8221; aufgrund der spezifischen Sicherheitsanforderungen in Verbindung mit den knappen finanziellen Mitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Wohnungs- &amp; Obdachlosigkeit von FI*NTAs wird meist von sogenannter &#8220;verdeckter Wohnungslosigkeit&#8221; gesprochen. Dies hat mehrere Gr\u00fcnde, die alle mit patriarchalen Strukturen zusammenh\u00e4ngen. Es bedeutet, dass die Betroffenen &#8220;alternative L\u00f6sungen&#8221; finden. Sie kommen oft solange es geht bei Verwandten oder Bekannten unter. Oftmals gehen sie gewaltvolle &amp; ausbeuterische Zweckbeziehungen bzw. Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse ein, um im Gegenzug einen Platz zum Schlafen oder Wohnen zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind auch hier die patriarchalen Strukturen im Hilfssystem, welche die grundlegenden Missst\u00e4nde verursachen: Einrichtungen &amp; Angebote werden noch immer weitgehend nicht den Bed\u00fcrfnissen von FI*NTAs gerecht. Es handelt sich dabei nach wie vor um cis m\u00e4nnlich dominierte R\u00e4ume und damit um Orte, die keinen Schutz vor patriarchaler Gewalt bieten k\u00f6nnen. Das hat zur Folge, dass die Wohnungsloseneinrichtungen weniger von FI*NTA Personen gen\u00fctz werden und Personen somit weniger in den Statistken der Einrichtungen aufscheinen. Dies wiederum wird als fadenschieniges Agument verwendet die Angebote nicht auszubauen, obwohl der Bedarf besteht! Erhebungen des BAWO Frauen Arbeitskreises (und vieler anderen) best\u00e4tigen, dass FI*NTA-spezifische Angebote angenommen werden wenn es diese gibt!<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ein aktuelles Beispiel aus der Wohnungslosenhilfe: Im CH Rossauerl\u00e4nde, das erst dieses Jahr ge\u00f6ffnet hat, wurde ein Stockwerk, das f\u00fcr Frauen vorgesehen war nach kurzer Zeit einfach zu einem M\u00e4nnerbereich umfunktioniert, da das Stockwerk &#8220;nicht schnell genug belegt wurde&#8221;. Somit fielen zahlreiche Frauenpl\u00e4tze einfach weg.&nbsp;Das ist insebsondere zynisch angesichts der Tatsache, dass zeitgleich einer der wenigen Frauen-Notpl\u00e4tze, f\u00fcr nicht anspruchberechtigte Frauen, im Haus Miriam gestrichen wurde. Das mag nach nicht viel klingen, ist aber im &nbsp;Verh\u00e4ltnis zur gesamtean Zahl frauenspezifischer Angebote leider ein betr\u00e4chtlicher Teil, zumal jeder Platz wichtig und notwendig ist!<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Tageszentrum Ester etwa schlafen regelm\u00e4\u00dfig Nutzer:innen, weil es nicht gen\u00fcgend Schlafpl\u00e4tze gibt. Sie sollen wegen Beschwerden von Anrainer:innen jetzt von Streetwork &amp; Polizei vertrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein extremes Defizit herrscht vor allem auch in der Unterst\u00fctzung wohnungs- &amp; obdachoser LGBTQIA+ Personen. F\u00fcr sie gibt es momentan quasi kein spezifisches Angebot. Sie sind neben Queerfeindlichkeit durch andere Nutzer*innen und Mitarbeitende auch durch die Strukturen der Einrichtungen massiver Diskriminierung ausgesetzt. Denn die meisten Enrichtungen, k\u00f6nnen nur nach Zuteilung in die bin\u00e4ren Geschlechter, meist&nbsp; nach dem im Pass vermerkten Geschlecht, gen\u00fctzt werden. Tats\u00e4chlich gibt es derzeit in Wien nur 1 Platz in einem Notquartier, der explizit f\u00fcr TI*N (also trans, inter* und nicht-bin\u00e4re) Personen vorgesehen ist. Ansonsten ist der Zugang und die Unterst\u00fctzung an die Willk\u00fcr des Personals gekn\u00fcpft, welches oft nicht ausreichend sensibilisert &amp; geschult wird. Die bestehenden Angebote sind nicht ad\u00e4quat!&nbsp;Auch hier versagt die Wohnungslosenhilfe komplett &amp; verschlie\u00dft die Augen!<\/p>\n\n\n\n<p>So entwickelt sich eine Dynamik im Wohnungslosenbereich, in der gewaltbetroffene Queers und Frauen von einer Einrichtung zur n\u00e4chsten geschickt werden, um hier als &#8220;nicht Zielgruppe&#8221; und dort als &#8220;zu herausfordernde Zielgruppe&#8221; weiterverwiesen zu werden.&nbsp; Sie werden somit strukturell in verdeckte Wohnungslosigkeit und patriarchale Gewalt gedr\u00e4ngt! Diese Verdr\u00e4ngung und diese mangelnde Verantwortungs\u00fcbernahme sind gef\u00e4hrlich! Sie gehen auf Kosten der besonders vulnerablen unter uns!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kampf um unsere Lebensgrundlage in Form von Wohnen, um unsere Autonomie und unsere Sicherheit ist ein geteilter Kampf aller! Wir fordern Verantwortungs\u00fcbernahme! Wir fordern Zugang zu Gewaltschutz f\u00fcr obdach- und wohnungslose FI*NTA Personen! Wir fordern sicheren Wohnraum f\u00fcr alle!&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl im \u00f6ffentlichen Raum wie auch in den eigenen vier W\u00e4nden werden FLINTAs* Opfer patriarchaler Gewalt. W\u00e4hrend am Nachhauseweg nach Strategie gesucht wird um sich sicher von A nach B zu bewegen, bringt das Betreten der eigenen vier W\u00e4nde oft auch keine Erl\u00f6sung, sondern ist die zentrale Gefahrenzone f\u00fcr patriarchale Gewalt. FLINTAs* wird ansozialisiert sich vor dem &#8220;Au\u00dfen&#8221; zu f\u00fcrchten und \u00f6ffentlichen Raum als Bedrohung wahrzunehmen. Um Leslie Kern an dieser Stelle treffend zu zitieren, mit der Erg\u00e4nzung, wenn sie \u00fcber Frauen spricht, dass wir der Meinung sind, dass FLINTA*-Personen der treffendere Begriff w\u00e4re, wenn \u00fcber patriarchale Gewalt gesprochen wird:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8220;H\u00e4usliche Gewalt, sexuelle \u00dcbergriffe durch Bekannte, Inzest, Kindesmissbrauch und andere \u201eprivate\u201c, aber viel h\u00e4ufiger vorkommende Straftaten werden dagegen weit weniger beachtet. Aus feministischer Sicht dient dieser Unterschied in der Aufmerksamkeit dazu, die Angst der Frauen nach au\u00dfen zu lenken, weg von Haus und Familie, und st\u00e4rkt patriarchalische Institutionen wie die Kernfamilie und die Abh\u00e4ngigkeit der Frauen von der heterosexuellen Partnerschaft, die den Anschein von Sicherheit vermittelt. In einem Teufelskreis stigmatisiert dies die Gewalt, die im \u201esicheren\u201c Raum des Hauses erlebt wird, und treibt sie noch weiter aus dem Blickfeld&#8221;&nbsp;<\/em>(Kern 2020: 91).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser konkrete Zusammenhang reproduziert und verst\u00e4rkt patriarchale Strukturen, Geschlechtervorstellungen, Familien- und Beziehungsbilder. Ihre Zuspitzung finden diese in t\u00f6dlicher Gewalt in Form von Feminiziden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auc der \u00f6ffentiche Raum ist nicht nach unseren Bed\u00fcrfnissen konzipiert. Besonders betroffen davon sind wohnungslose FLINTA*-Personen. Neben der Herabw\u00fcrdigung, Gewalt und Marginalisierung, der sie ohnehin ausgesetzt sind, aufgrund ihrer Obdachlosigkeit, sehen sie sich tagt\u00e4glich mit patriarchaler Gewalt konfrontiert. Sei diese die architektonische Konzipierung der St\u00e4dte, die es wohnungslosen Menschen besonders schwer macht sichere Orte f\u00fcr die Nacht zu finden, insbesonders FLINTAs*, oder \u00fcberf\u00fcllte Notschlafstellen in denen stets die Gefahr vor \u00dcbergriffen lauert. Hinzu kommen Schikanen von Beh\u00f6rden und Polizei, insbesondere auch gegen Sexarbeiter*innen. Unabh\u00e4ngig davon ob Sexarbeiter*innen wohnungslos sind oder nicht, werden sie von \u00f6ffentlichen Orten verdr\u00e4ngt, schikaniert oder es werden Verbote ausgesprochen, wie beispielsweise rundum den Praterstern und dem Gel\u00e4nde der neuen WU. Mit der Prostitutionsgesetzesnovelle 2011 wurden sogenannte &#8220;Erlaubniszonen&#8221; und &#8220;Bannmeilen&#8221; geschaffen, die Prostitution in die Randbezirke Floridsdorf und Liesing verdr\u00e4ngte und die Arbeit noch unsicherer dadurch gestalten. Dabei spielen der Staat und ihre exekutiven Organe eine zentrale Rolle, indem sie systematische Orte der Prostitution unsicher gestalten, kriminalisieren und in die Au\u00dfenbezirke der St\u00e4dte dr\u00e4ngen, wodurch Sexarbeiter*innen oft noch st\u00e4rker patriarchaler Gewalt ausgesetzt sind und zugleich diese durch ihre Unsichtbarkeit im Alltag, noch st\u00e4rker verschleiert und ignoriert werden kann. Selbstverst\u00e4ndlich spielen rassitische, antisemitische, queerfeindliche und ableistische Anfeindungen ebenfalls eine zentrale Rolle und werden zum Katalysator patriarchaler Gewalt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der ungleichen Verteilung von unbezahlter Care-Arbeit als st\u00e4ndiger ein Faktor von Machtverh\u00e4ltnissen, die Gewalt in sozialen N\u00e4heverhaltnissen f\u00f6rdert, steht die&nbsp; Tatsache, dass leistbarer Wohnraum kaum noch zu finden ist, der Flucht aus einer Gewalt Beziehung oft im Weg.&nbsp; Es kann nicht oft genug betont werden, dass im Kontext finanzieller Abh\u00e4ngigkeit die Angst davor ein Wohnen und Leben Alleinstehende oder Alleinerziehende nicht zu schaffen, Betroffene davon abh\u00e4lt sich von den Gef\u00e4hrdern zu l\u00f6sen oder sogar zu ihnen zur\u00fcckzukehren. Gewalt Schutz und der Kampf gegen Wohnraum als Ware sind nicht voneinander zu trennen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe feministische Bewegung des letzten Jahrhunderts ist angetreten um das Recht, gewaltt\u00e4tige Partner zu verlassen, das Recht zum Gehen zu erk\u00e4mpfen. Ihre K\u00e4mpfe waren erfolgreich und spiegeln sich in Gesetzen wie dem Gewaltschutzgesetz, dem Familienrecht und Institutionen wie Frauenh\u00e4user ect. wieder. Das Recht zu Gehen ist aber eine leeres Versprechen, wenn die materiellen Rahmenbedingungen daf\u00fcr fehlen. Denn es stellt sich die Frage: Wohin gehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere Personengruppen, die nicht \u00fcber famili\u00e4re, soziale oder finanzielle Ressourcen in \u00d6sterreich verf\u00fcgen, stehen bei einer Trennung vor dem Nichts, oft noch mit Sorgeverpflichtungen und Verantwortung f\u00fcr mehrere Kinder. Frauenh\u00e4user k\u00f6nnen nur einen vor\u00fcbergehenden Schutz und Unterbringung gew\u00e4hrleisten, sie sind Kriseneinrichtungen &amp; Keine langfristigen L\u00f6sungen. Abgesehen davon, dass auch diese Einrichtungen aufgrund der spezifischen Sicherheitsanforderungen in Verbindung mit den knappen finanziellen Mitteln Personengruppen strukturell ausschlie\u00dfen (wie beispielsweise suchtmittelkonsumiernden Personen, Personen mit Pfelgebedarf, Personen mit psychiatrischen Erkrankungen oder eben wohnungslosen Personen) bleibt die Frage nach dem Wohin nach einem Frauenhausaufenthalt bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Trennung beinhaltet oft mehrere komplexe rechtliche Fragen, Scheidungsprozesse, Obsorgeverfahren usw sowie eine akute Armutsgef\u00e4hrdung und pr\u00e4kere Aufenthtalsperspektiven. Faktoren die den Zugang zu Gemeindewohnungen erschweren oder verhindern. Die Stadt Wien hat in diesen F\u00e4llen die Wohnungslosenhilfe vorgesehen. Wir erleben nun aber in den letzten Jahren und Monaten eine extreme Zuspitzung: Frauen &#8211; Pl\u00e4tze werden gestrichen, die Wartelisten sind teilweise l\u00e4nger als ein halbes Jahr, die Umsrukturierung der Wohnungslosenhilfe f\u00fchrt zu vermehrten Auschl\u00fcssen von Personen, mit prek\u00e4ren Aufenthaltssituationen. Diese zunehmenden rassistischen Ausschl\u00fcsse der Wohnungslosenhilfe treffen gewaltbetroffene Frauen besonders: In einer patriachalen gesellscahftlichen Produktions- und Reproduktionsweise mit entsprechender Familienstruktur sind die Aufenthatlstitel einserseits von der Erwerbst\u00e4tigkeit der Ehem\u00e4nner abh\u00e4ngig, andererseits stellen sie Machtasymetrien in binationalen Ehen her, die Frauen besonderns vulnerbale machen. Frauen, die sich aus Gewaltbeziehungen l\u00f6sen haben also ein erh\u00f6htes Risiko einen unsicheren Aufenthaltstitel zu haben, dieser wiederum erschwert den Zugang zu sicherem Wohnraum enorm.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft ist die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr gewaltbetroffene Frauen und Queers, Zeit in gemischtgeschlechtlichen \u00dcbergangseinrichtungen zu verbringen mit unsicheren Perspektiven und Zukunftsaussichten. Eine extrem belastende Situation nach erlebter Gewalt, krisenhaften Br\u00fcchen in der eigenen Biographie und der Aufgabe sich ein neues Leben aufzubauen. Diese unzumutbaren Zust\u00e4nde f\u00fchren nicht selten dazu, dass erneute Abh\u00e4ngeikeitsverh\u00e4ltnisse entstehen und sich die Gewaltdynamiken wiederholen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es erfordert viel Mut und Kraftanstrengung sich aus Gewaltdynamiken zu l\u00f6sen, auch wenn Menschen wissen, sie haben ein Umfeld, sie werden eine Wohnung haben, sie werden ihren Alltag finanziell bestreiten k\u00f6nnen und ihre Kinder werden sich in einem guten und sicheren Wohnumfeld auf die neue Situation einstellen k\u00f6nnen und zur Ruhe kommen. Erschwert die Aussicht nach der Krise in eine neue, ungewisse Krisensituation geschickt zu werden, den Bruch mit der Gewaltdynamik noch um einiges mehr. Die Frage nach zug\u00e4nglichen, ad\u00e4quaten und sicheren Wohnraum ist also unmittelbar mit der Frage nach Schutz vor famili\u00e4rer oder Beziehungsgewalt verkn\u00fcpft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ist die Wohnungslosigkeit von Frauen und Queers urs\u00e4chlich und biographisch oft mit Gewalt verkn\u00fcpft, ist auch oft Gewalt urs\u00e4chlich mit Wohnungslosigkeit verkn\u00fcpft. Wohnungslosen Frauen und Queers ist es in besonderem Ma\u00dfe erschwert, sicheren privaten Raum herzustellen. Die Einrichrungen der Wohnungslosenhilfe in Wien sind nicht auf Gewaltschutz ausgelegt und oft trotz Bem\u00fchungen der Beteiligten mit Beziehungsgewalt derma\u00dfen strukturell \u00fcberfordert, dass es im schlimmsten Falle zu einem Hausverbot der Betroffenen kommt, da man damit den T\u00e4ter nat\u00fcrlich auch loswird. Betroffene erz\u00e4hlen uns immer wieder von massiven strukturrellen Problemen: die meist gemischtgeschelchtliche Betreerteams, in Einrichtungen werden nicht ausreichend geschult &amp; sensibilisiert&nbsp; &amp; somit werden patriarchale struktueren &amp; Mysogynie, Queerfeindlichkeit oft reproduziert. Das merken wir daran, wenn der MItarbeiter im P7 uns fragt, ob wir keine andere L\u00f6sung haben, da ihm gerade keine Unterkunft einf\u00e4llt an die er eine transfeminine Person mit guten Gewissen weitervermitteln k\u00f6nnte. Nat\u00fcrlich liegt es nicht nur an den fehlende SChulungen: Die Angebote und Finanziereunge und die Konzepte an sich sind nicht ad\u00e4quat! Der FSW und die MA57 zeigen derzeit keine Bestrebungen das zu \u00e4ndern. Spezifische Pl\u00e4tze f\u00fcr trans und queere Personen sind quasi inexistent, Bem\u00fchungen durch die Belgeschaft neue Konzepte zu entwickeln oder Verbesserungen zu erarbeiten werden nicht angenommen. Gewaltschutzeinrichtungen hingegen sind konzeptuell nicht auf die Lebensumst\u00e4nde und Herausforderungen von wohnungslosen personen ausgelegt und produzieren genua hier Ausschl\u00fcsse. Aus all diesen Faktoren entwickelt sich eine Dynamik, in der gewaltbetroffen Queers und Frauen von einer Einrichtung zur n\u00e4chsten verwiesen werden, um hier als &#8220;nicht Zielgruppe&#8221; und dort als &#8220;zu herausfordernde Zielgruppe&#8221; weiterverwiesen zu werden und somit strukturell in verdeckte Wohnungslosigkeit und damit in massive Abh\u00e4ngkeitsverh\u00e4ltnisse verdr\u00e4ngt zu werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00f6chten nocheinaml daran erinnern das Gewalt und Wohnunglsoigkeit keine Chraktereigenschaften bestimmter Personen oder Personengruppen sind. Jeder Frau oder queere Person kann in vergeschlechttliche Gewaltver\u00e4ltnisse und Gewaltbeziehungen geraten, solange das Patriarchat besteht und jede Person von uns kann in die Wohnungsosigkeit geraten, solange Wohnen kapitalf\u00f6rmig organisiert ist. (Also patriarchale Gewalt gubt es in jeder Gesellschaftsschicht. Die M\u00f6glichkeit auszubrechen wird aber durch schlechte materielle Situation &amp; andere geselftl. Ausschlusskriterien erschwert) Manche von uns Verf\u00fcgungen \u00fcber andere Ressorcen und gesellscahfltiche Beg\u00fcnstigungen als andere, die manchen von uns zumindest potentiell sch\u00fctzen k\u00f6nnen, strukturellen Gewaltverh\u00e4ltnissen derma\u00dfen ausgeliefert zu sein. Der Kampf um unsere Lebensgrundlage in Form von Wohnen, um unsere Autonomie und unsere Sicherheit ist ein geteilter Kampf aller! Fordern wir also alle gemeinsam die Erf\u00fcllung des Versprechens, als gewaltbetroffene Person gehen zu k\u00f6nnen: Sicherer Wohnraum f\u00fcr alle!<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst wird in einer patriarchalen Gesellschaftsordnung der private wie auch der \u00f6ffentliche Raum niemals sicher f\u00fcr FLINTAs* sein und nie nach unseren Bed\u00fcrfnissen gestaltet sein. Wir m\u00fcssen kollektiv nach Alternativen suchen uns die Stadt anzueignen, diese feministisch umzugestalten und uns gemeinschaftlich gegen die unterschiedlichen, widerlichen Formen patriarchaler Gewalt zu wehren. Daher fordern wir: Eine Stadt f\u00fcr alle, frei von patriarchaler Gewalt und Ausgrenzung!<br>Literatur<\/p>\n\n\n\n<p><br>Kern, Leslie. Feminist City : Claiming Space in a Man-Made World, Verso, 2020. ProQuest Ebook Central, http:\/\/ebookcentral.proquest.com\/lib\/univie\/detail.action?docID=6178348.<br><br><a href=\"https:\/\/wien.arbeiterkammer.at\/interessenvertretung\/meinestadt\/stadtpunkte_nr.27_2019_5.pdf\">https:\/\/wien.arbeiterkammer.at\/interessenvertretung\/meinestadt\/stadtpunkte_nr.27_2019_5.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Redebeitrag am Tag gegen Gewalt an FLINTA* Wir wollen heute einen kleinen Einblick in die Wohnungslosenhilfe &amp; die Gewaltschutzzentren Wiens geben. Es ist herausfordernd die vielen Missst\u00e4nde, die durch eine&nbsp;kaputtgesparte Einrichtungslandschaft in&nbsp;einer patriarchalen Gesellschaft entstehen, in nur wenigen Minuten zu beschreiben. 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